Hoffnung

Diese Woche habe ich ein tolles Kompliment bekommen. Der Kunde meines Auftraggebers bedankte sich für eine konstruktive Besprechung zur Neuplanung eines schon verspäteten Projektes. „Vielen Dank für diese Klarheit. Mir war das vorher nicht bewußt, welche Abhängigkeiten es gibt und was alles in der Vor- und Nachbereitung geschehen muss, auch bei uns. Ich glaube, alle waren bisher der Meinung, sie müssten immer nett sein.“

Nett sein ist manchmal ein Problem

Das Problem habe ich nicht. Ernsthaft, was ist netter: klar und verständlich machen, warum was nicht funktioniert oder schwierig ist? Oder versuchen, alles möglich zu machen und daran zu scheitern? Im dazugehörigen Projekt ist das Hauptproblem der ständig wachsende Scope. Seit Monaten explodiert er, ständig kommen neue Anforderung hinzu. Erschwerend kommt hinzu, dass der initiale Scope von Kunde und Zulieferer unterschiedlich definiert wird. Sie können sich ungefähr ausmalen, wie viel Zeit und Nerven ins Land gehen, um die letzten 12 Monate Projektlaufzeit mit allen Diskussionen und Zwischenständen historisch zu beleuchten und den tatsächlich gültigen Vereinbarungsstand zu rekonstruieren.

Der blaue Elefant

Wie so oft sind alle im Projektteam bemüht, den Kunden zufrieden zu stellen. Mit der bestmöglichen Attitude wird mehr und mehr möglich gemacht, werden mehr und mehr Anforderungen entgegengenommen, erläutert, validiert, geschätzt, hinterfragt, gelistet, gerankt. Und die Sorgenfalten wachsen. Allerdings nur hinter den Kulissen. Ja, es gibt Gespräche mit dem Kunden. Ja, es wird adressiert, dass es eine Priorisierung geben muss von Seiten des Kunden. Ja, dem Kunden ist klar, dass es länger dauert und mehr Geld kosten wird. Und doch gibt es in den Gesprächen diese schwer definierbare Schwelle, über die keiner tritt. Der Moment, wenn alle die Bescheid wissen merken, dass gerade keiner den blauen Elefanten im Raum anspricht.

Vielleicht versteht der Kunde ja endlich, dass es so nicht funktioniert? Vielleicht dreht ja jemand den Geldhahn zu, damit das Projekt endlich erstmal live geht?

Vielleicht passiert ja ein Wunder

Hope ist not a Strategy. Probleme gehen nicht von allein weg. Menschen können nicht wissen, was sie nicht kennen. Fassen Sie sich ein Herz! Zeigen Sie auf, was eine zusätzliche Anforderung für Sie bedeutet. Erklären Sie, welche Abhängigkeiten es gibt. Machen Sie verständlich, wie die Komplexität steigt und welche zusätzlichen Risiken für die bereits fertig gestellten Funktionalitäten entstehen. Versetzen Sie Ihren Kunden in die Lage, eine informierte Entscheidung zu treffen. Und gehen Sie keine Zusage ein, wenn Sie nicht sicher sind, dass sie sie auch liefern können.

 

Folge 7 der Serie „Project Success Trap of the Week – Beliebte Fallen für Ihren Projekterfolg“.

Leave a comment