Wird schon klappen

Optimismus ist eine gesunde Lebenseinstellung. Optimismus macht auch viel mehr Spaß als das ständige Schwarzsehen bei jedem Risiko und die Unkenrufe, egal welche Nachricht verkündet wird. Im Projektmanagement kann Optimismus ohne gute Datenlage fatal sein.

In vielen Unternehmen wird eine gewisse Risiko-Bereitschaft erwartet

Gerade vom Projektleiter/der Projektleiterin, schließlich haben viele Konzerne das Bild des Projektmanagers als „Unternehmer auf Zeit“ etabliert. Und Unternehmer sind schließlich risikofreudig, sonst würden sie es ja zu nichts bringen! Also wird gerade von Kundenseite immer wieder gern nach mehr Risikofreude verlangt.

Wie gehen wir damit um?

Heisst das, dass wir ab sofort ignorieren, dass wir in der liefernden Mannschaft einen Engpass haben? Die Spezialistin für eine Sonderprogrammierung fällt für drei Wochen aus, und es gibt keinen Ersatz. Der Termin für ihre Zulieferung steht in zwei Monaten an, ihre Aufwandsschätzung liegt bei 8 Tagen. Wird schon klappen! Sie hat ja auch nur zwei andere Projekte, die sie betreut. Wir machen einfach ihrem Chef klar, dass unser Projekt Priorität hat – das kriegen wir schon hin!

Heisst das, dass wir unsere eigenen Planungen im Nachhinein als super luxuriös mit Puffer ausgestattet outen? Wir bekommen gerade noch eine Anforderung herein, die unbedingt auch noch mit in den Go-live muss, dabei endet der User Acceptance Test in zwei Wochen. Wir hatten schon zu Beginn gesagt, dass zwischen Testbeginn und Cutover keine Luft für weitere Programmierung ist. Hatten wir nun damals recht oder heute, wenn wir zusagen, dass wir den Change schon hinkriegen werden? Wird schon klappen!

Heisst das, dass wir alle Fakten, Erfahrungswerte, Aufwandsschätzungen und unser persönliches Bauchgrimmen ignorieren und einfach zustimmen? Haben unsere Kompetenz und unsere Erfahrung keinen Platz in der Verhandlung?

Der leichtere Weg

Oder gehen wir locker-fröhlich über die vorhandene Datenlage hinweg und sagen einfach zu, weil es der einfachere Weg ist? Schließlich ist unser Kunde eben unser Kunde. Und wer streitet sich schon gern mit seinem Kunden? Im Zweifel können wir den Druck, den wir verspüren, einfach an die Externen weitergeben. Die machen dann halt Nachtschichten oder arbeiten am Wochenende. Wird schon klappen!

Eine unternehmerische Entscheidung

Ich plädiere für einen gesunden Optimismus auf Basis einer klaren Datenlage. Führen Sie sich Ihre Projektrisiken vor Augen, machen Sie sich klar, welche Fallback-Strategien Sie haben. Und zeigen Sie auch Ihrem Kunden auf, dass es Risiken gibt. Wenn Sie sich einig sind, dass Sie das Risiko gemeinsam eingehen, haben Sie eine unternehmerische Entscheidung getroffen. Wenn Sie Ihren Kunden im Unklaren lassen und es nicht gut geht, sind Sie hinterher der Buhmann/die Buhfrau. Hat halt nicht geklappt.

 

Folge 6 der Serie „Project Success Trap of the Week – Beliebte Fallen für Ihren Projekterfolg“.

 

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